Traces
Das Schweigen brechen für uns alle
// Heidi Ulm //
ëres hat bereits wiederholt über die qualitative Studie „Traces“ (TRAnsgenerational ConsEquences of Sexual violence) berichtet, die sich mit der Frage beschäftigt, wie sexualisierte Gewalterfahrungen über Generationen hinweg weiterwirken. Nun liegen die Ergebnisse vor.

© freepik
Über drei Jahre lang haben die Studienleiterinnen Interviews mit Frauen aus dem Vinschgau geführt, die selbst oder aber deren Mütter oder Großmütter sexualisierte Gewalt erfahren haben. „Traces“ wollte damit verdeutlichen, dass unverarbeitete Gewalterfahrungen über Generationen weiterwirken können. Menschen, die in von sexualisierter Gewalt geprägten Umfeldern aufwachsen und/oder selbst sexualisierte Gewalt erleben, tragen diese Erfahrungen weiter – mit Langzeitfolgen wie Ängste oder Schlafstörungen über Jahrzehnte hinweg.
Generationen im Wandel?
„Traces“ wollte dabei auch die Veränderungen und Kontinuitäten über die Generationen hinweg analysieren. Die Sexualität der ältesten Generation (geboren 1919 – 1949) war von Schuld- und Schamgefühlen geprägt, stark beeinflusst durch die Kirche. Der Ehemann hatte die sexuelle Verfügbarkeit über die Ehefrau, Vergewaltigungen innerhalb der Ehe konnten erst ab 1996 angezeigt werden. In der mittleren Generation (1950 – 1980) entstanden mit der zweiten Frauenbewegung erstmals Beratungsstellen und ein öffentlicher Diskurs über geschlechtsspezifische Gewalt. Währenddessen zeigt sich in der jüngsten Generation (1981 – 2007) sexualisierte Gewalt in neuen Formen, auch online.
Die Studie zeigt deutlich das Phänomen „silent complicity“ auf. Alle wissen von der Gewalt, doch niemand spricht darüber. Dieses Schweigen schützt und bestärkt die Täter. Gleichzeitig gibt es aber auch positive Veränderungen: Im Laufe der Generationen nimmt die Solidarität unter Frauen zu. Es gibt mehr Fachdienste und Betroffene, die Gewaltformen klar benennen und über ihre Erfahrungen sprechen. Diese positiven Entwicklungen gilt es zu fördern und Verantwortung für bestehende Lücken zu übernehmen.
Wissen in die Gesellschaft tragen
In der Wanderausstellung „Meine Oma, meine Mutter und ich – Spuren sexualisierter Gewalt in Südtirol“ im Frauenmuseum Meran werden die Studienergebnisse präsentiert. Das Forum Prävention hat ein umfangreiches Konzept zur Prävention sexualisierter Gewalt entwickelt, das über die Studie hinaus in Südtirol umgesetzt wird. Damit eröffnet Traces auch Wege für Prävention und Sensibilisierung, um das Schweigen zu brechen. Ein Ziel, dem sich auch die Studie „Sexualisierte Gewalt in Südtirol unter Berücksichtigung der drei Sprachgruppen“ der Universität Innsbruck verschrieben hat, die nach der Vorstellung der ersten Zwischenergebnisse noch läuft.
Generationen im Wandel?
Die Studie zeigt deutlich das Phänomen „silent complicity“ auf. Alle wissen von der Gewalt, doch niemand spricht darüber. Dieses Schweigen schützt und bestärkt die Täter. Gleichzeitig gibt es aber auch positive Veränderungen: Im Laufe der Generationen nimmt die Solidarität unter Frauen zu. Es gibt mehr Fachdienste und Betroffene, die Gewaltformen klar benennen und über ihre Erfahrungen sprechen. Diese positiven Entwicklungen gilt es zu fördern und Verantwortung für bestehende Lücken zu übernehmen.
Wissen in die Gesellschaft tragen
Die Studie „Traces“ wurde von der Universität Trient unter Leitung von Prof.in Barbara Poggio, von Dr. Andrea Fleckinger und Daniela Gruber in Zusammenarbeit mit dem Forum Prävention, der Frauenrechtsorganisation medica mondiale und dem Frauenmuseum Meran durchgeführt und von der Autonomen Provinz Bozen und der Stiftung Südtiroler Sparkasse finanziert.
Am 17. November 2025 wurden die Ergebnisse der Forschung und das Präventionskonzept vorgestellt. Ein Fact-Sheet fasst die wichtigsten Erkenntnisse zusammen.
Am 17. November 2025 wurden die Ergebnisse der Forschung und das Präventionskonzept vorgestellt. Ein Fact-Sheet fasst die wichtigsten Erkenntnisse zusammen.

