Sex Positivity, SafeR Spaces und Awareness

„Die eigenen Fantasien ausdrücken“

// Hannah Lechner //
Seit fast drei Jahren macht Lauli Awareness-Arbeit in Clubs und auf anderen Veranstaltungen des Wiener Nachtlebens. Aktuell ist sie Teil der Awareness AG des Vereins hausgemacht und als „Hüterin des SafeR Space“ unter anderem auf dessen Sex Positive-Partys unterwegs. Was Sex Positivity bedeutet, was sie mit Respekt, Selbstakzeptanz und dem Aufbrechen von Normen zu tun hat und wie Partys als sichere Räume gestaltet werden können.
© Elisabeth Prast – hausgemacht
Erst mal: Wer ist hausgemacht, was macht ihr so und was macht euch aus?
hausgemacht ist ein basisdemokratischer und gemeinnütziger Kunst- und Kulturverein, der seit fast zehn Jahren das Nachtleben in Wien prägt. Wir sind feministisch, anti-rassistisch, gegen jegliche Form der Diskriminierung von LGBTQIA+-Personen und zelebrieren Körperakzeptanz. Die Musik unseres Herzens ist Techno und alle Spielarten davon, wir fördern auf unseren Events gerne lokale Kunstschaffende, die unsere Werte teilen, unterstützen und leben. Zu unserem Repertoire gehören Techno-Partys, aber auch Body-Neutrality sowie Sexpositive-Partys, bei denen das Augenmerk aber ebenfalls auf der Musik und dem Tanzen liegt. Und auf all diesen Partys sind stets mehrere Awareness-Teams mit Lichterketten unterwegs, als Hüter*innen des SafeR Space.


Du bist auch Teil dieser Teams, organisierst sie teilweise mit und schulst neue Menschen ein. Was bedeutet Awareness und wie sieht eure Arbeit aus?
Awareness steht für Aufmerksamkeit. Wir als Awareness-Team sind der glitzernde Mörtel zwischen dem Club, der den Rahmen für die Veranstaltung darstellt, und den Gästen, die diesen Rahmen durch ihre Emotionen befüllen – so hat es ein Kollege mal treffend ausgedrückt. Wir sind da, um zu informieren, sowohl Gäste als auch Clubpersonal. Wir machen auf Dinge aufmerksam und verkörpern den Geist des Miteinanders – einerseits durch aktives Ansprechen, aber auch einfach nur, indem wir da sind und durch Lichterketten für alle eindeutig als Awareness-Team erkennbar. Mich erfüllt Awareness immens, die Party und die Atmosphäre aktiv mitgestalten zu können und zu schauen, dass sich alle wohlfühlen. Natürlich gibt es auch herausfordernde Situationen – besonders wenn bei den Gäst*innen viel Alkohol oder andere Substanzen im Spiel sind. Um genau in solchen Situationen einen kühlen Kopf zu bewahren, ist es wichtig, selbst nüchtern zu sein und zu wissen, wieviel allein schaffbar ist und wann es Zeit ist, die Verantwortung abzugeben und Sanitäter*innen oder Securities zu holen.


Was sind Safe(R) Spaces und was für Räume wollt ihr mit euren Partys schaffen?
Ein „Safe Space“ ist ein sozialer Raum, in dem sich marginalisierte und diskriminierte Gruppen frei bewegen können und keiner Ausgrenzung ausgesetzt sind. Dabei handelt es sich um ein theoretisches Konstrukt, in dem sämtliche Trigger ausgeschlossen werden und alle Beteiligten ihre Individualität ausleben können, ohne Einschränkung durch andere zu erleben oder andere einzuschränken. Dieser Idealzustand ist leider aufgrund vieler komplexer Faktoren kaum umzusetzen, weshalb wir bewusst von „SafeR Spaces“ (Deutsch: SichererER Raum) sprechen – um darauf hinzuweisen, dass am Erreichen des Ideals gearbeitet wird, dieses jedoch nicht garantiert werden kann, sondern nur ein Kontext, der möglichst nahe rankommt. Wir wollen, dass unsere Partys ein sicherer Ort für alle sind. Grenzüberschreitendes oder übergriffiges Verhalten, Diskriminierung, (sexualisierte) Gewalt etc. haben bei uns nichts zu suchen, sind jedoch in der Realität für viele Personen (vor allem FLINTA*s, queere Personen, BIPoC etc.) ein großes Problem beim Fortgehen. Menschen, die unsere Partys besuchen, sollen einen verantwortungsvollen und respektvollen Umgang miteinander lernen und leben. Awareness und das Fragen nach Consent (Deutsch: Zustimmung, Einwilligung) sollen selbstverständlich werden – nur ein JA ist ein JA! – und abseits vom Clubleben auch in den Alltag übergehen.


Wie kann man sich Body Neutrality und Sexpositive-Partys denn jetzt konkret vorstellen?
Sex-Positivität bedeutet, alle konsensuellen sexuellen Aktivitäten als positiv zu betrachten, sie steht für eine sinnvolle und umfassende Aufklärung zu Konsens, Sex und Safer Sex und für einen respektvollen Umgang mit sich selbst, anderen und unseren Körpern. Mit unseren Partys wollen wir nicht nur einen Platz zum Feiern schaffen, sondern eben auch einen solchen Platz der Freiheit und Entfaltung. Alles kann, nichts muss. Sexuelle Handlungen sind fast überall auf der Party erlaubt, es gibt ein paar gekennzeichnete Sex-freie Zonen, wie z.B. die Toiletten. Sex ist aber nicht das zentrale Thema der Party, sondern die Musik und das Tanzen. Unsere Partys sind keine Swinger-Partys – wer nur für Sex kommt, kommt nicht rein. Außerdem gibt es einen Dresscode für Outfits, aber ohne genauen Leitfaden mit konkreten Dresscode-Geboten. Was immer geht, sind knappe, freizügige und durchdachte Outfits. Body Neutrality-Partys (Deutsch: Körper-Neutralität) sind perfekte Einsteigerpartys für Menschis, die Interesse an Sexpositive-Partys haben, aber erst mit dem Konzept „kinky“1 in Berührung kommen wollen. Auf diesen Partys stehen Selbstbestimmung und Körperrespekt, Selbstakzeptanz und das Feiern von Vielfältigkeit im Mittelpunkt. Sexuelle Handlungen sind nur im Darkroom (Deutsch: abgedunkelter Raum) erlaubt. Man kann sich outfittechnisch ausprobieren, es muss schon freizügiger sein, aber wir sind nicht so streng wie bei Sexpos. Es geht uns außerdem nicht darum, dass unsere Gäst*innen in den nächsten Sexshop laufen und sich mit fetish-wear (Deutsch: Fetisch-Bekleidung) eindecken, die sie vielleicht nicht fühlen, sondern vielmehr darum, dass das gewählte Outfit das sexuelle Wesen der Menschis unterstreicht und auch streichelt.
Viele tragen auch Dinge, die sie sich nicht trauen würden, öffentlich zu tragen – z.B. cis-Männer Röcke und Make-Up. Kreativität und Konzept sind sehr gerne gesehen – ein Stofftuch aus der hintersten Ecke des eigenen Kleiderschrankes als Rock, Leinen aus dem Tierfachgeschäft, Fake-Blumen aus dem Blumenladen?


Was für eine Rolle spielt Selektion vor den Partys und am Eingang für euer Konzept des sicheren und respektvollen Feierns?
Um die Gäst*innen schon im Vorfeld der Partys zu sensibilisieren, betreiben wir auf dem hausgemacht Instagram und auf unserer Website Aufklärung, etwa bezüglich unserem Konzept von SafeR Spaces, Feminismus und Consent. Bei Sexpositive-Partys wird, bevor man eine Karte kaufen kann, durch einen Fragebogen das Wissen geprüft, von dem wir denken, dass es bei allen Gäst*innen erforderlich ist, damit der Raum entsteht, den wir uns vorstellen. Außerdem muss ein kurzer Text verfasst werden – all diese Texte lesen wir uns durch, bevor wir Tickets freigeben. Zusätzlich selektieren wir sehr streng an der Tür. Selektion am Eingang ist für die Errichtung eines SafeR Space grundlegend erforderlich – schon allein, damit keine Personen auf die Party kommen, die schon so betrunken sind, dass sie die Grenzen anderer und auch die eigenen nicht mehr wahren können. An der Tür stellen wir außerdem nochmal Fragen zu unseren Werten und führen einen Vibe-Check durch, damit wir ganz sicher sind, dass nur Menschis auf die Party kommen, die den Raum auch bereichern und dazu beitragen, dass ein SafeR Space entsteht. Für Leute, die sich vorbereiten und unsere Werte leben, sollte dies aber kein allzu großes Hindernis sein. Im Inneren der Party gibt’s dann noch das schon erwähnte Awareness-Team, das dafür sorgt, dass der SafeR Space gewahrt wird und im Austausch mit Besuchenden und den Mitarbeitenden wie Securities oder Barleuten steht. All das ist sehr viel Aufwand, aber bei jeder Party merke ich wieder: Es hat sich gelohnt, hier fühl ich mich wohl und sicher! Und von unseren Gäst*innen bekommen wir dieselbe Rückmeldung.


Und zum Abschluss: Was bedeutet Sex Positivity für dich?
Sex Positivity bedeutet für mich Selbstakzeptanz, Offenheit, Neugierde, Respekt für die Grenzen der anderen und die eigenen, Akzeptanz, ein Raum zum Ausprobieren und Entdecken, das Aufbrechen patriarchaler und heterosexueller Normen, das Zelebrieren menschlicher Verbindungen sexueller, freundschaftlicher oder romantischer Natur, offene Kommunikation, Reflektion und natürlich auch das Erkunden und Zelebrieren von Sexualität und Fantasien. Ich liebe es, mich in Schale zu werfen und mein Inneres und meine Fantasien durch konzeptuelle, teils selbstgemachte Outfits und buntes Make-Up auszudrücken. Und mich schön, queer und sexy zu fühlen, und zwar nur für mich selbst.

1: „kinky“ wird oft verwendet, um sexuelle Praktiken zu beschreiben, die sich außerhalb des ‚konventionellen (und oft stark normativen) gesellschaftlichen Rahmens bewegen, wie z.B. Fetische, BDSM oder Rollenspiele.
Lauli

Intervista a Silvia Summa

Passione per la montagna

// Lorena Palanga //
Intervista a Silvia Summa, una delle poche guide alpine donna dell’Alto Adige. Bolzanina, 50 anni, mamma di tre figli, ci racconta il suo percorso professionale e come è cambiata oggi la montagna.
Silvia Summa con la sua famiglia una volta raggiunta la cima
“Il mio successo più grande è poter condividere la mia passione per la montagna con le persone che amo”
Non sono un’eroina e tanto meno un’atleta straordinaria. Sono solo una donna con una grande passione per la montagna. Silvia Summa, 50 anni, bolzanina, tra le poche guide alpine donna in Alto Adige, inizia con queste parole la nostra intervista. Ed è proprio questo che vogliamo raccontarvi in questo articolo: la passione di una donna che è diventata anche una professione.

Come è nato il suo amore per la montagna?
Fin da piccola. All’epoca non c’erano le palestre indoor, ma sono sempre andata in montagna con i miei. Sono cittadina, nata e cresciuta a Bolzano, eppure l’elemento montagna nella mia vita è sempre stato presente.

Quando la decisione di diventare guida alpina?
Un puro caso. Era il 2006, vivevo a Verona. Il mio ragazzo, veneto, aveva intrapreso questo percorso per fare della sua passione una professione. Stando con lui ho seguito anche io l’intero iter. Per essere ammessi ai tre anni di formazione, bisognava avere un curriculum che comprendeva aver portato a termine salite impegnative nelle varie discipline. Io sono stata sempre con lui. Quando siamo arrivati alla fine avevo tutto l’indispensabile per ambire anche io al titolo e mi sono detta “perché no”. Insomma come spesso accade, è stata una coincidenza. Poi sono tornata a Bolzano e tra una scalata e l’altra ho conosciuto mio marito, Marco, sono arrivati i miei tre figli e tutto è cambiato.

In che senso?
La maternità mi ha aiutato a pormi dei limiti. La passione per la montagna può avere risvolti negativi. Il voler superare ogni volta il limite precedente, può creare dipendenza ed essere rischioso. Una volta diventata mamma ho capito per che cosa vale la pena e per cosa no. Mi ha insegnato a fermarmi. E sa qual è l’aspetto più bello?

Quale?
Andare in montagna per me è diventato un momento di condivisione. Raggiungere quella cima ha più senso e mi regala più soddisfazione quando lo faccio con i miei figli e mio marito. Quando loro si lamentano perché magari (ride) li costringo a venire con me, spiego loro questo. Arrivare insieme su una cima vuol dire condividere un momento.

E la professione? Continua ad esercitarla?
Con tre figli ho raggiunto questo equilibrio. Mi dedico a loro durante l’anno scolastico. Una scelta, non un sacrificio. D’estate invece faccio la guida alpina.

Come e quanto è cambiato il suo lavoro negli anni?
Moltissimo. Ormai la montagna vive il turismo di massa che tutti conosciamo. Tante volte chi decide di fare una ferrata lo fa solo per farsi la foto con il caschetto. Per questo sono aumentate le richieste di ferrate e percorsi semplici. Comunque per me accompagnare chi non conosce per niente la montagna, chi viene spesso da Paesi lontanissimi, vedere la soddisfazione quando ce la fanno è una grande emozione.

Perché ci sono ancora così poche guide alpine donna, in Italia solo il 2%?
Ci sono tante donne forti, capacissime. Qualcosa è già cambiato. Bisogna solo prendere coraggio. Da entrambe le parti. Da una parte le donne appassionate di montagna che devono sapere che possono farcela, dall’altra chi a loro si affida. Mi accorgo spesso dello scetticismo con il quale vengo accolta da uomini che devo accompagnare. È frutto del retaggio culturale: come faccio ad affidarmi a e fidarmi di una donna se mi capita qualcosa è il pensiero che si legge spesso sui volti di queste persone. La cosa divertente è che spesso pur di non farsi aiutare da una donna ce la mettono tutta. E questo, ovviamente, è positivo.