Editorial

Tabú - Tabus

Pssst, darüber spricht man doch nicht: über Geld und über Sexualität, über Depressionen und über Alkoholabhängigkeit, über gewollte oder ungewollte Kinderlosigkeit und über Sternenkinder, über Einsamkeit, Gewalt und Tod. Doch wer bestimmt eigentlich, worüber wir schweigen? Wie kann man dem Unaussprechbaren einen Raum geben und was gilt es dabei zu berücksichtigen? Welche Themen und Haltungen müssen auch in einer offenen Gesellschaft tabu bleiben?
In dieser ëres-Sommerausgabe bringen wir Tabuthemen aufs Tappet, die uns gerade besonders beschäftigen. Vor allem aber versuchen wir eine Antwort darauf, woher diese ungeschriebenen Gesetze stammen, die bestimmte Themen in unserer Gesellschaft verbieten, welche Rolle Journalismus und Medien beim Brechen von Tabus spielen, und warum – bei aller Rede- und Meinungsfreiheit – das Sagbare eine Grenze braucht: nämlich dort, wo es um Würde und Respekt geht – offline im wahren Leben, aber auch online im World Wide Web.

Wir wünschen Ihnen eine gute Lektüre und einen schönen Sommer,
Maria Pichler - Chefredakteurin

Auf ein Wort - In poche parole - Dit en cört

Ulrike Oberhammer, Präsidentin

Tabus schützen und binden zugleich. Dieses Heft löst Schweigen: Wir benennen verbotene Wörter, Körper, Wünsche und Verletzungen. Mut heißt, Fragen zu stellen, Grenzen zu verschieben und Geschichten zu teilen. Wir machen Tabus sichtbar, um sie zu prüfen, zu entmystifizieren und solidarisch zu verändern.