No woman - No panel

Drei Frauen, ein starkes Zeichen

// Kathinka Enderle //
Erstmals stehen mit Direktorin Susanne Huber, Obfrau Paulina Schwarz und Aufsichtsratspräsidentin Evelyn Reich drei Frauen an der Spitze der Raiffeisenkasse Etschtal. Im genossenschaftlichen Bankenwesen in Italien ist diese Konstellation außergewöhnlich. Für Paulina Schwarz ist sie nicht nur eine personelle Besonderheit, sondern ein Bild mit Strahlkraft. Es soll Frauen ermutigen, Verantwortung zu übernehmen, sich Wahlen zu stellen und Ämter anzunehmen.
Drei Frauen prägen die Führung der Raika Etschtal, vlnr.: Direktorin Susanne Huber, Obfrau Paulina Schwarz und Präsidentin des Aufsichtsrates Evelyn Reich © Raiffeisenkasse Etschtal
Dass drei Frauen an der Spitze einer Bankgenossenschaft im Jahr 2026 noch immer ungewöhnlich wirken, liegt für Schwarz an gewachsenen Strukturen. „Die Führungsgremien sind traditionell mit Männern besetzt, weswegen bereits wenige Frauen an der Spitze auffallen“, sagt sie. „Umso mehr, wenn gleich drei Frauen in solche Spitzenpositionen gewählt bzw. ernannt werden.” Hier setzt für Schwarz die Wirkung dieser Dreierspitze an. „Ich persönlich zähle auf die Strahlkraft der Bilder“, erklärt Schwarz. „Frauen sollen sich angesprochen fühlen, sich Wahlen zu stellen und auch die Herausforderungen von Ämtern annehmen. Manchmal benötigt es anfangs ein Quäntchen Mut.”
Rollenbilder wirken weiter
Traditionelle Rollenbilder prägen Karrieren von Frauen bis heute, nicht nur in der Bankenwelt. Für Schwarz sind sie eines der Hauptthemen: „Generell bestehen verfestigte Bilder in unserer Gesellschaft. Diese Rollen werden unbewusst aber von vielen mitgetragen, z.B. werden fast ausschließlich Frauen in Führung nach der Vereinbarkeit ihres Berufs mit jenem des Privatlebens gefragt, nicht aber Männer in vergleichbaren Positionen.“ Schwarz selbst habe auf ihrem Weg bei Raiffeisen viel Unterstützung erhalten, „vor allem auch von Männern“. Das Thema Frau sei in ihrem Beruf selten ein Thema gewesen. Als sie sich vor 30 Jahren erstmals der Wahl in einen Verwaltungsrat stellte, habe sich eine Chance ergeben: Die damalige Raiffeisenkasse Mölten suchte bewusst junge Mandatar*innen mit Bildungshintergrund. „Es müssen sich Chancen bieten, man sollte diese aber auch mutig annehmen“, sagt Schwarz.
Mut zur Verantwortung
Jungen Frauen empfiehlt Schwarz, sich zunächst ehrlich zu fragen, ob sie diesen „Weg nach oben“ gehen möchten: „Wenn ja, braucht es Mut und Selbstvertrauen. Wichtig ist, sich von Rückschlägen nicht entmutigen zu lassen, Chancen zu erkennen und diese auch zu nutzen. Die Freude an der eigenen Tätigkeit bildet dabei eine wichtige Voraussetzung.” Von der neuen Dreierspitze der Raiffeisenkasse Etschtal erhofft sich Schwarz eine starke Signalwirkung. Ihr Wunsch: „Ich hoffe, dass sich in Zukunft mehrere Direktorinnen und Obfrauen in den Genossenschaftsbanken ergeben werden. Darüber hinaus wünsche ich mir, dass viele Frauen in Genossenschaften den Mut aufbringen, Verantwortung zu übernehmen.”
Zuspruch habe sie bereits aus ihrem Netzwerk iDEE in Rom, der Vereinigung der Frauen im italienischen Genossenschaftskreditwesen, erhalten. Das zeige, dass diese Konstellation über Südtirol hinaus wahrgenommen wird. Gleichzeitig betont Schwarz, dass Verwaltungs- und Aufsichtsräte Kollegialorgane sind. Entscheidungen würden gemeinsam getroffen, von Männern und Frauen, im gegenseitigen Respekt und im konstruktiven Austausch. Denn, so Schwarz: „Erst viele verschiedene Sichtweisen führen zum Erfolg.“

Poesie

Kollektive Stille

// Sarah Meraner //
© Karola G- pexels
Würdest du darüber sprechen …

Was würden die anderen wohl denken?
Wär’ es besser, abzulenken?

Was würden die anderen wohl sagen?
Und welche Fragen würden sie wagen?

Würdest du darüber sprechen …

Wie würden die anderen reagieren?
Würden sie dich weiter akzeptieren?

Was sind wir unbeholfen, gar beschämt,
denn: Man hat uns wirklich gut gezähmt,
erzogen, still zu sein und sehr bedacht,
damit man niemandem das Leben schwer macht.
Komplexe Themen – so tut man kund –
bleiben stets hinter verschlossnem Mund:

Behinderung und Einsamkeit,
Sex und Obdachlosigkeit,
Gewalt gegen Frauen und Fehlgeburt
– alles zu schmerzhaft, zu absurd.

Auch Armut, Jobverlust und Tod
stehen unter diesem Sprechverbot.
Alkohol- und Drogensucht:
stigmatisiert und still verflucht.

Depression, Alter, Regelblut –
all diese Dinge: eine Flut
an Themen, die man nicht bespricht.
Das alles ist unser Land doch nicht!

Und mit Gefühlen – sind sie nicht „gut“ –
hat man erst recht nicht viel am Hut.
Freude ist zwar noch erlaubt,
doch der Trauer und der Wut beraubt,

fressen wir in uns hinein,
was nach außen hin nicht sollte sein.
Darum schämt man sich und weint im Stillen
um des Dorfes Friedens Willen.

Ja, was der Gesellschaft nicht gefällt
ist das, was man für sich behält.
Und was „unpassend“ erscheint
wird stummgelacht oder verneint.

Doch:

Vielleicht würde sich die Welt verändern,
sähen wir genauer hin.
Vielleicht sollten wir uns eingestehen:
Ein Drüber-Reden macht viel mehr Sinn.

Vielleicht würde sich die Welt verändern,
und wir wären alle viel mehr frei.
Vielleicht täte es uns gut daran,
wär das kollektive Schweigen vorbei.