roh&ungeschält
Willkommen in Absurdistan
// Marlene Erschbamer //

Willkommen in Absurdistan, dem Land, in dem Armut, Ängste, Depressionen, Verluste und die Tatsache, dass wir alle irgendwann sterben müssen, galant weggelächelt werden. Tabu! Aber wehe, es geht um den Körper anderer Menschen – dann versinkt der moralische Kompass in den Tiefen des gesellschaftlichen Morasts. Über sie wird gelästert, sie werden beurteilt, betatscht, begrapscht und gedemütigt. Und so wird jeglicher Anstand urplötzlich zu einem erschreckend dehnbaren Begriff.
Es ist eine bizarre Doppelmoral: Wir stülpen eine „Alles tiptop“–Maske über und schweigen über psychische Krisen. Gleichzeitig ist es erschreckend einfach, die körperlichen Grenzen anderer Menschen zu überschreiten. So scheint es beispielsweise legitim zu sein, einer Schwangeren ungefragt an den Bauch zu fassen. Es wirkt, als würde der weibliche Körper mit der Sichtbarwerdung einer freudigen Erwartung seine Selbstbestimmung einbüßen. Ob neugierige Verwandtschaft oder wildfremde Passanten: Der Anblick einer Schwangeren lässt immer wieder die kognitiven Fähigkeiten aussetzen und übt zugleich eine magische Anziehungskraft auf Hände aus. So wird eine Schwangere schnell zum kostenlosen Streichelzoo.
Dies ist jedoch nicht die einzige Situation, in der Frauen von übergriffigen Händen überrascht werden. Jede Wölbung scheint als willkommenes Angriffsobjekt zu dienen. Da wäre etwa der Po-Grapscher, mit dem ein Mann einer Frau doch nur ein Kompliment machen will, wie mir erklärt wurde. Genau! Frauen können sich wirklich kein schöneres Kompliment vorstellen, als ungefragt eine Hand an ihrem Allerwertesten zu spüren.
Nicht zu vergessen ist der völlig zufällige und absolut unkalkulierte Abrutscher, wenn ein Mann einer Frau im Gespräch eigentlich nur den Arm berühren will und plötzlich auf ihrem Busen landet. „Oh, das habe ich gar nicht mitbekommen!“ – Interessant! Demnach haben Männer eine so dicke Lederhaut an den Händen und Augen, dass sie den Unterschied zwischen Arm und Busen weder spüren noch sehen können. Oder ist es feinmotorisch einfach nicht abschätzbar, wo eine Hand landet?
Mir erscheint der Frauenkörper ohnehin wie eine öffentliche Immobilie: ein Objekt, das jeder besichtigen, bewerten und dessen Substanz ungefragt prüfen darf. Psychische Nöte hingegen werden wie ein peinliches Familiengeheimnis im Keller versteckt. Es ist schon absurd: Wir schämen uns für unsere Gefühle, aber offenbar nicht für ungewaschene Finger an den Grenzen anderer Menschen. Was sollte nun tabu sein? Willkommen in Absurdistan!
Es ist eine bizarre Doppelmoral: Wir stülpen eine „Alles tiptop“–Maske über und schweigen über psychische Krisen. Gleichzeitig ist es erschreckend einfach, die körperlichen Grenzen anderer Menschen zu überschreiten. So scheint es beispielsweise legitim zu sein, einer Schwangeren ungefragt an den Bauch zu fassen. Es wirkt, als würde der weibliche Körper mit der Sichtbarwerdung einer freudigen Erwartung seine Selbstbestimmung einbüßen. Ob neugierige Verwandtschaft oder wildfremde Passanten: Der Anblick einer Schwangeren lässt immer wieder die kognitiven Fähigkeiten aussetzen und übt zugleich eine magische Anziehungskraft auf Hände aus. So wird eine Schwangere schnell zum kostenlosen Streichelzoo.
Dies ist jedoch nicht die einzige Situation, in der Frauen von übergriffigen Händen überrascht werden. Jede Wölbung scheint als willkommenes Angriffsobjekt zu dienen. Da wäre etwa der Po-Grapscher, mit dem ein Mann einer Frau doch nur ein Kompliment machen will, wie mir erklärt wurde. Genau! Frauen können sich wirklich kein schöneres Kompliment vorstellen, als ungefragt eine Hand an ihrem Allerwertesten zu spüren.
Nicht zu vergessen ist der völlig zufällige und absolut unkalkulierte Abrutscher, wenn ein Mann einer Frau im Gespräch eigentlich nur den Arm berühren will und plötzlich auf ihrem Busen landet. „Oh, das habe ich gar nicht mitbekommen!“ – Interessant! Demnach haben Männer eine so dicke Lederhaut an den Händen und Augen, dass sie den Unterschied zwischen Arm und Busen weder spüren noch sehen können. Oder ist es feinmotorisch einfach nicht abschätzbar, wo eine Hand landet?
Mir erscheint der Frauenkörper ohnehin wie eine öffentliche Immobilie: ein Objekt, das jeder besichtigen, bewerten und dessen Substanz ungefragt prüfen darf. Psychische Nöte hingegen werden wie ein peinliches Familiengeheimnis im Keller versteckt. Es ist schon absurd: Wir schämen uns für unsere Gefühle, aber offenbar nicht für ungewaschene Finger an den Grenzen anderer Menschen. Was sollte nun tabu sein? Willkommen in Absurdistan!

