
Themen in den Mittelpunkt gerückt, die oft unter den Tisch gekehrt werden, hat die Familiendemonstration Mitte Mai in Bozen © Ingrid Kapeller
Familie als gesellschaftliche Herausforderung sichtbar machen – das war das Hauptanliegen der Demonstration am 16. Mai in Bozen, an der an die 300 kleine und große Leute teilgenommen haben. Denn Familien in Südtirol mit Kindergarten- und Schulkindern sind am Anschlag, Eltern organisieren in ihrem Alltag, was eigentlich die Politik leisten müsste: teure Betreuung in Flickenteppichlösungen, Schulprojekte und Lehrausflüge am Wochenende, tagtägliche Taxi-Dienste, andauernde Organisation, ständige finanzielle Improvisation, permanente Mehrbelastung. Was als Privatsache abgetan wird, ist in Wahrheit ein familien- und bildungspolitisches Versäumnis, aber solange Familien still auffangen, was ein Sozialstaat verlässlich absichern müsste, bleibt politische Veränderung aus.
Vor diesem Hintergrund forderten die Familien eine ernsthafte Politik, die Familien und Kinder in den Mittelpunkt rückt, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf unterstützt und dabei Schulkindern gute Nachmittage ermöglicht, die nicht vom Geldbeutel, vom Fahrdienst oder den zeitlichen Ressourcen der Eltern abhängen. Im Kindergartenalter brauche es ganzjährig Kontinuität, verlässliche Bezugspersonen, stabile Strukturen – und Planbarkeit sowie Finanzierbarkeit für die Eltern. Wer sich kümmert, muss hingegen für die Rente abgesichert sein – darüber wird noch viel zu wenig gesprochen: Wer Kinder betreut, Angehörige pflegt und unbezahlte Care-Arbeit leistet, darf im Alter nicht benachteiligt werden, forderten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Ausweitung der regionalen Absicherung für Care-Arbeitende. All das, ohne dass als Rabenmutter bezeichnet wird, wer Familie und Beruf unter einen Hut bekommen möchte, oder als Glucke, wer sich dafür entscheidet sich voll und ganz der Familie zu widmen. Denn – auch das bleibe an dieser Stelle nicht unerwähnt – die Initiatorinnen der Familiendemonstration sind im Netz persönlich und hasserfüllt angegriffen worden – für die Ausübung eines demokratischen Grundrechtes, der Demonstration. Das bleibt ganz klar ein Tabu!