Landesbeirat für Chancengleichheit für Frauen

No Women No Panel: Keine Bühne ohne uns

/ / Kathinka Enderle / /
Wer sprechen darf, formt das Bild einer Gesellschaft. Die Initiative „No Women No Panel“ verschiebt den Blick auf eine Öffentlichkeit, die lange nicht alle(n) gehört hat.
Sichtbarkeit ist keine Höflichkeit
Eine Bühne ist nie neutral. Wer spricht, wird gehört, und wer fehlt, wird überhört - so konsequent, dass Abwesenheit irgendwann unsichtbar wird. Die Initiative „No Women No Panel“, 2018 von der damaligen EU-Kommissarin Mariya Gabriel angestoßen, setzt genau hier an: keine Podien ohne Frauen, keine Ausreden, keine symbolische Alibipräsenz. Was selbstverständlich klingt, greift allerdings in tiefe Strukturen ein. Gleichberechtigung scheitert selten an Parolen, sondern an Gewohnheiten, in denen Männer noch immer als Maßstab gelten. Sichtbarkeit ist kein Zufall. Sie wird organisiert. Wer wird angefragt? Wem traut man Expertise zu? Und was sagt es über eine Gesellschaft aus, wenn Kompetenz noch immer überrascht, sobald sie weiblich ist?
Politik als öffentlicher Raum
„Die Kampagne ‚No Women No Panel:(…) zielt darauf ab, die gerechte Vertretung von Frauen in Gremien und bei öffentlichen Veranstaltungen sicherzustellen“, so die Präsidentin des Landesbeirates für Chancengleichheit für Frauen Ulrike Oberhammer und Vizepräsidentin Nadia Mazzardis. Mit dem Beschluss der Landesregierung und der Unterschrift von Landeshauptmann Arno Kompatscher wird von höchster politischer Stelle anerkannt, dass Repräsentation keine Nebensache mehr sein darf, sondern demokratische Substanz ist. Gemeinsam mit der Freien Universität Bozen, der Gemeinde Bozen und der Einbettung in den Gleichstellungsaktionsplan Æquitas entsteht das Zeichen, dass Ungleichheit strukturell ist, Strukturen sich aber auch verändern lassen: beginnend damit, Öffentlichkeit nicht mehr als männliche Selbstverständlichkeit hinzunehmen.
Von der Theorie zur Praxis
Seit Herbst 2024 haben rund 90 Organisationen die Absichtserklärung unterschrieben. Das ist Verpflichtung und nicht nur Symbolik. Entscheidend ist, ob sie im Alltag greift: bei Einladungen, Moderationen, Themenrahmen und in der Selbstverständlichkeit, mit der Frauen als Expertinnen auftreten. Die neue Expertinnen-Datenbank 2026 ist deshalb ein Werkzeug gegen das Unsichtbar-machen. Sie nimmt einer alten Schutzbehauptung die Grundlage: „Wir finden keine.“ Finden ist eine Frage der Priorität. Und Priorität ist politisch.
Eine Frage bleibt offen
„No Women No Panel“ erinnert daran, dass Öffentlichkeit nie neutral verteilt war. Wo Stimmen fehlen, verschwinden Wissen, Erfahrung, Perspektive. Die Initiative unterbricht diese Ordnung - nicht aus Höflichkeit, sondern als Umverteilung von Sichtbarkeit, Redezeit und Autorität. Gleichstellung greift ins Fundament: sie entscheidet, wessen Stimmen unsere Wirklichkeit prägen. Die offene Frage bleibt deshalb keine theoretische: Was hat es unsere Gesellschaft gekostet, systematisch auf die Hälfte ihres Wissens zu verzichten?

Landesbeirat für Chancengleichheit für Frauen

Endometriose – stilles Leiden sichtbar machen

/ / LPA/Landesbeirat für Chancengleichheit für Frauen / /
Jeden Monat starke Menstruationsschmerzen zu haben, nehmen viele Frauen immer noch als normale Begleiterscheinung der Blutung hin. Darauf, dass diese Schmerzen auf die Krankheit Endometriose hinweisen könnten, macht eine Sensibilisierungskampagne aufmerksam. Diese geht nun in die zweite Runde.
Endometriose ist eine chronische, meist schmerzhafte Erkrankung, bei der Gewebe, das der Gebärmutterschleimhaut ähnelt, außerhalb der Gebärmutter wächst – etwa an den Eierstöcken, Eileitern, im Darm oder Bauchraum. Dieses Gewebe reagiert auf hormonelle Veränderungen im Monatszyklus, was zu Entzündungen, Blutungen und Narbenbildung führen kann. Typische Symptome sind starke Menstruationsschmerzen, chronische Unterleibsschmerzen, Schmerzen beim Geschlechtsverkehr, Verdauungsprobleme sowie verminderte Fruchtbarkeit. Obwohl etwa eine von zehn Frauen im fruchtbaren Alter davon betroffen ist, vergehen vielfach Jahre bis zur richtigen Diagnose.
Der Gleichstellungsaktionsplan Æquitas sieht im Handlungsfeld 4 Gesundheit vor, dass die Südtiroler Bevölkerung zu Themen der Frauengesundheit und insbesondere bezüglich seltenerer Krankheiten sensibilisiert wird. Demzufolge hat der Landesbeirat für Chancengleichheit für Frauen in Zusammenarbeit mit der Endometriose-Vereinigung „NoiConVoi“ im Herbst 2025 eine Sensibilisierungskampagne zu diesem Thema gestartet. Diese wird nun fortgeführt.
Für Informationen und medizinische Abklärungen können Sie sich an eine private Fachärztinnen/Facharzt-Praxis oder an die Südtiroler Krankenhäuser wenden, Kontakte und weitere Infos gibt es unter:
chancengleichheit.provinz.bz.it/de/endometriose und www.endometriosialtoadigenoiconvoi.it
Am 9. April wird im Capitol Bozen um 17.30 Uhr der Film „NICHT DIE REGEL, ein Dokumentarfilm über Endometriose“ gezeigt und
anschließend in einer Podiums­diskussion mit einer/m Fachärztin/Facharzt, einer Betroffenen und der Präsidentin des Vereins „NoiConVoi“
das Thema erörtert.